Schulorganisation

Zwei Schülerinnen stehen vor einem großen Wochenplan mit bunten Zetteln.

Verlässlicher Rahmen – Pädagogische Freiheit in Verantwortung

Die Montessori-Schule Marburg ist eine genehmigte Schule in freier Trägerschaft der blista e.V. in Schulform einer Integrierten Gesamtschule (IGS).

Die Schulorganisation der IGS verbindet montessoripädagogische Freiheit mit verbindlichen schulischen Strukturen. Sie schafft einen Rahmen, der sowohl den gesetzlichen Anforderungen als auch den entwicklungsbezogenen Bedürfnissen der Jugendlichen gerecht wird.

„Die Entfaltung der Personalität der Jugendlichen zu beschützen und zu begünstigen, jene menschliche Energie, von der die Zukunft abhängt.“

(M. Montessori: Von der Kindheit zur Jugend, 2016)

So entsteht eine Schule, die rechtlich verlässlich arbeitet, pädagogisch konsequent ist und Jugendliche sicher zu ihren Abschlüssen und weiteren Bildungs- und Berufswegen führt.

Jahrgangsmischung 7-10

Die IGS an der MSM arbeitet mit einer jahrgangsgemischten Struktur von Jahrgang 7 bis 10. Diese Organisationsform ermöglicht Lernen auf unterschiedlichen Niveaus, gegenseitige Unterstützung und eine kontinuierliche Begleitung über mehrere Jahre hinweg.

Die Jahrgangsmischung schafft:

  • stabile Beziehungen
  • Lernen im eigenen Tempo
  • Verantwortung innerhalb der Lerngemeinschaft
  • Orientierung und Sicherheit über einen längeren Zeitraum

Tutorenschaft – verlässliche Begleitung

Jede Jugendliche wird durch einen Tutor/einer Tutorin begleitet und bietet Jugendlichen eine konstante erwachsene Bezugsperson, die ihre Entwicklung kennt, Lernwege reflektiert und sie dabei unterstützt, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Lernen wir sos nicht nur fachlich begleitet, sondern auch in seiner persönlichen und sozialen Dimension ernst genommen.

Diese Form der Begleitung ist eng mit dem Erdkinderplan nach Maria Montessori verbunden. Montessori beschreibt die Jugendphase als eine Zeit innerer Unsicherheit und gleichzeitiger Suche nach Orientierung, Zugehörigkeit und Sinn. Jugendliche benötigen in der Phase verlässliche Beziehungen, die Halt geben, ohne zu bevormunden und Begleitung, ohne Kontrolle auszuüben.

Die Tutorinnen und Tutoren:

  • begleiten die individuelle Lern- und Persönlichkeitsentwicklung
  • führen und moderieren Lernentwicklungsgespräche
  • sind Ansprechpersonen für fachliche, pädagogische und persönliche Anliegen
  • stehen im regelmäßigen Austausch mit Jugendlichen und Eltern
  • unterstützen bei der Reflexion von Lernwegen, Projekten und Entscheidungen.

Im Sinne des Erdkinderplans werden die Jugendliche mit Hilfe des Tutors/der Tutorin darauf vorbereitet, ihren Platz in der Gemeinschaft und in der Gesellschaft zu finden. Sie lernen, Ziele zu formulieren, Entscheidungen zu reflektieren und Verantwortung für ihren eigenen Bildungsweg zu übernehmen.

So wird das Tutorensystem zu einem tragenden Element der Schulorganisation: Sie verbindet Beziehung, Orientierung und Selbstständigkeit – und begleitet Jugendliche auf ihrem Weg zu eigenverantwortlichem Lernen und Handeln.

Tagesstruktur – Struktur geben und Verantwortung ermöglichen

Zwei Schülerinnen stehen vor einem großen Wochenplan mit bunten Zetteln.

Die Tagesstruktur der IGS verbindet Verlässlichkeit mit Flexibilität und folgt einem pädagogischen Rhythmus statt eines engen Stundenrasters. Sie schafft einen klaren Rahmen für selbstständiges Arbeiten, Projektlernen, fachliche Vertiefung und Gemeinschaft – im Sinne des Erdkinderplans.

Der Tag beginnt mit einem ruhigen Ankommen bis 8.30 Uhr. Die Schüler*innen orientieren sich, klären organisatorische Fragen und bereiten sich auf ihre Lernvorhaben vor.  

Die Key Lessons sind angeleitete Lernphasen mit Lernbegleitungen. Hier werden fachliche Inhalte strukturiert eingeführt, vertieft oder zusammengeführt. Die Lernbegleitungen geben Impulse, erklären Zusammenhänge, sichern Grundlagen und klären Fragen.

Key Lessons dienen der:

  • fachlichen Orientierung
  • systematischen Wissensvermittlung
  • gemeinsamen Klärung komplexer Inhalte
  • Vorbereitung auf selbstständige Arbeitsphasen

In diesen Phasen arbeiten die Jugendlichen eigenständig oder im Team. Sie setzen Projektvorhaben um, recherchieren, dokumentieren Ergebnisse oder vertiefen Inhalte aus den Key Lessons. Diese Zeiten sind bewusst als selbstverantwortete Arbeitszeiten gestaltet. Die Lernbegleitungen stehen beratend zu Verfügung.

Darüber hinaus arbeiten die Schüler*innen in den Werkstätten und Lernorten wie Näh-Atelier, MakerSpace oder Nutzgarten. Hier verbinden sich fachliches Lernen und praktisches Handeln.

Die Jugendlichen besuchen wöchentlich auch jahrgangsspezifische Fachangebote: Der Fremdsprachenunterricht, aber auch der naturwissenschaftliche Labortag ergänzen das fachliche Angebot der IGS.

Diese Bausteine des Schulalltages finden regelmäßig im Wochenverlauf statt.

Die Schüler*innen halten im Logbuch eigene Arbeitsprozesse, Fortschritte und nächsten Schritte fest. Die schriftliche Reflexion unterstützt die Selbstverantwortung, Zielklarheit und eine bewusste Planung des eigenen Lernens.

Einmal wöchentlich kommt die gesamte Lerngruppe zusammen, um organisatorische Fragen zu klären, Projekte zu koordinieren und gemeinsame Anliegen zu besprechen. Die Jugendlichen übernehmen Verantwortung für Absprachen und erleben demokratische Gesprächskultur.

Im Rahmen der Tutorenschaft finden kontinuierliche Gespräche zur Lernentwicklung statt. Hier werden Lernstände reflektiert, Ziele vereinbart und individuelle Anliegen besprochen. Tutorinnen und Tutoren begleiten diesen Prozess verlässlich und stehen im Austausch mit den Eltern.

Lernentwicklung und Leistungsrückmeldung

Eine Schülerin Steckt Nadeln in ein Koordinatensystem aus Stoff.

Die Leistungsrückmeldung an der MSM verbindet verbindliche schulische Anforderungen mit entwicklungsorientierter Begleitung. Im Sinne des Erdkinderplans verstehen wir Leistung nicht nur als Ergebnis, sondern als Teil eines bewussten Lern- und Reifungsprozesses. Jugendliche sollen lernen, ihre Entwicklung realistisch einzuschätzen und Verantwortung für ihren Lernweg zu übernehmen.

Die Schüler*innen erhalten Lernstandsberichte, die die fachlichen Entwicklungen, Arbeitsverhalten, Selbstständigkeit und Verantwortungsübernahmen differenziert und nachvollziehbar beschreiben.

Die Rückmeldungen erfolgen vorab dialogisch und werden in Lernentwicklungsgesprächen gemeinsam reflektiert. Ziel ist es, Lernprozesse bewusst zu machen und individuelle Schritte für das zukünftige Lernen zu vereinbaren.

Ab Jahrgang 9 erfolgt die Leistungsbewertung zusätzlich mit Noten, entsprechend den Vorgaben des Landes Hessen. Damit wird Transparenz im Hinblick auf Abschlüsse und Anschlussfähigkeit an weiterführende Bildungswege gewährleistet.

Die Notengebung wird weiterhin durch begleitende Gespräche und differenzierte Rückmeldungen ergänzt.

Wir arbeiten mit Zertifikaten – fachlich verbindliche Leistungsnachweise, die inhaltlich klar definiert sind.

Anders als bei klassischen Tests entscheiden die Jugendlichen innerhalb einer festgelegten Frist selbst, wann sie bereit sind, ein Zertifikat abzulegen. Grundlage ist eine realistische Selbsteinschätzung: Die Schüler*innen prüfen, ob sie die jeweiligen Inhalte sicher beherrschen und wählen den für sie passenden Zeitpunkt des Erledigens. Es gibt keine einheitliche Testsituation für alle zur selben Zeit. Die Lernbegleitungen setzen den thematischen Rahmen und beraten bei der Einschätzung.

Dieses Verfahren stärkt:

  • Eigenverantwortung
  • realistische Selbsteinschätzung
  • Lernplanung und Zielklarheit
  • fachliche Sicherheit,

also Kompetenzen die sowohl für schulische Abschlüsse als auch für die weitere Bildungs- und Berufsorientierung bedeutsam sind.