- Ihr Sehvermögen hat sich verschlechtert und Sie kommen mit Ihren bisherigen Arbeitstechniken nicht mehr zurecht?
- Sie brauchen Rat und Hilfe, damit Sie Ihren Alltag, die Schulausbildung, das Studium oder Ihre Berufstätigkeit auch weiterhin selbstständig ausüben können?
- Gerne vereinbaren wir mit Ihnen einen Termin für ein persönliches Info- und Beratungsgespräch!
Dieses Angebot richtet sich an Personen, die plötzlich erblindet sind oder deren Sehvermögen sich gravierend verschlechtert hat. Im Verlauf einer BtG lernen blinde und hochgradig sehbehinderte Menschen trotz des eingetretenen Sehverlustes ihr Leben wieder so selbstständig wie möglich zu organisieren. Im Fokus steht dabei die einzelne Person, daher ist unser Angebot individuell auf Sie abgestimmt!
Die beiden Bestandteile, das Erlernen blindenspezifischer Techniken unter Einbezug eines eventuell vorhandenen Sehvermögens in den Bereichen IT, Arbeitstechniken mit der Punktschrift, Orientierung und Mobilität sowie Lebens- und berufspraktischen Fähigkeiten, und die Hilfe zur emotionalen Bewältigung der Sehverschlechterung, sind aufeinander abgestimmt und gehören konzeptionell zusammen. Ergänzend dazu sind während der BtG Angebote zur Förderung von Bewegung, Gesundheit und Entspannung eingebettet.
Die Schulungsbereiche im Rahmen einer BtG
Das Erlernen der Blindenschrift umfasst neben dem Erlernen der Buchstaben, Ziffern und Zeichen vor allem das Trainieren der Tastfähigkeit der Finger und die kognitive Umstrukturierung von visueller zu taktiler Wahrnehmung der Schrift.
Schulungsinhalte im Einzelnen sind das Erlernen der Blindenvollschrift, des Computerbraille sowie grundlegender Arbeitstechniken mit einer Braillezeile und einem Screenreader. Nach Bedarf werden die verschiedenen Kurzschriftsysteme und, soweit erforderlich, die Mathematikschriften vermittelt.
Darüber hinaus wird das Arbeiten mit dem Internet, das Arbeiten mit PDF-Dateien, das Scannen von Dokumenten und die Bedienung eines I-Phones vermittelt.
Einkäufe erledigen, ins Theater gehen, Freunde besuchen, Sport machen und vieles mehr – eine Schulung in Orientierung und Mobilität (O&M) unterstützt Menschen mit Blindheit- und Sehbehinderung dabei, ihren Alltag möglichst selbstständig umzusetzen.
Bei der O&M-Schulung ist die Einweisung in den Gebrauch eines Langstocks und die sichere und selbstständige Fortbewegung in Gebäuden und im öffentlichen Raum das Ziel. In der Regel handelt es sich um Einzelunterricht. Dieser wird von speziell ausgebildeten Rehabilitationslehrern/Fachkräften der Blinden- und Sehbehindertenrehabilitation erteilt. Die konkreten Inhalte und der Umfang richten sich nach den persönlichen Anliegen und Voraussetzungen.
Ein wichtiger Baustein für die persönliche Mobilität ist beispielsweise die Fähigkeit, Straßen sicher zu überqueren und zu lernen, wie man insbesondere mithilfe des Langstocks den richtigen Überquerungsort, den besten Überquerungszeitpunkt und die günstigste Überquerungsrichtung findet. Um größere Entfernungen in der Stadt oder den Weg nach Hause sicher zurückzulegen, gilt es Strategien für die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel zu erwerben. Menschen mit Sehbehinderung lernen dabei, ihr funktionales Sehvermögen bestmöglich einzusetzen und ggfls. auch bei Dämmerung und Dunkelheit möglichst effektiv zu nutzen.
Bei Interesse und Bedarf wird auch auf unterstützende elektronische Hilfsmittel wie z. B. Navigationssysteme eingegangen, entsprechend informiert und bei der Erprobung und Anschaffung unterstützt.
Eine Tasse Kaffee einschenken, Briefe und Dokumente sortieren, Haushaltsgeräte sicher bedienen, ein Gericht zubereiten, einen Kuchen backen, Münzen und Papiergeld unterscheiden, passende Kleidungsstücke auswählen, Knöpfe annähen, Wäsche waschen ...
Eine Schulung zum Thema Lebens- und berufspraktische Fähigkeiten (LPF) unterstützt Menschen mit Blindheit- und Sehbehinderung darin, Tätigkeiten in häuslichen und beruflichen Bereichen eigenständig zu bewältigen. Das dadurch erlangte höhere Maß an Selbstständigkeit fördert das Selbstbewusstsein und trägt zu einem leichteren Alltagsleben bei.
Speziell ausgebildete Rehabilitationslehrer/Fachkräfte der Blinden- und Sehbehindertenrehabilitation gestalten die Schulung nach den individuellen Bedürfnissen, Wünschen und Rahmenbedingungen. Umfang und Dauer der Schulung - zumeist in Form von Einzelunterricht - richten sich nach dem Sehvermögen, dem Lernziel und weiteren persönlichen Anliegen und Voraussetzungen.
Die Blindentechnische Grundrehabilitation hält ein spezielles Angebot der Bewegungs- und Gesundheitsförderung für die TeilnehmerInnen bereit. Blinde bzw. sehbehinderte Menschen haben im Vergleich zu sehenden Menschen oft nicht die gleichen Möglichkeiten, Kurse zur Förderung und Erhalt von Beweglichkeit und Gesundheit, z. B. in Fitness- und Gesundheitszentren, Vereinen, VHS oder anderen Bildungsstätten zu besuchen. Allgemeine Bewegungsangebote ohne visuelle Kontrolle und mit mangelnden Fähigkeiten im Bereich der Orientierung und Mobilität wahrzunehmen, ist nachvollziehbarer Weise oft angstbesetzt, gerade auch nach dem Verlust des Sehvermögens oder einer gravierenden Sehverschlechterung.
Deshalb ist ein spezielles Angebot im Rahmen der Rehabilitation notwendig, um die betroffenen Menschen darin zu stärken, zu motivieren und perspektivisch in die Lage zu versetzen, über die Rehabilitation hinaus selbstständig und eigenverantwortlich an allgemeinen, sportlichen Angeboten teilzuhaben, Hobbies zu entdecken und für die eigene Gesundheit zu sorgen.
Übergreifende Inhalte der Bewegungsförderung, die auch den Spaß an der Bewegung wieder zurückbringen sollen, sind:
- das Erproben von geeigneten Sportarten im geschützten Raum,
- die Sinnesschulung (vor allem Gleichgewicht und Tastsinn),
- die Förderung der Körperwahrnehmung,
die Förderung der Motorik und Psychomotorik sowie - die Schulung des Körperschemas und der Körperhaltung.
Psychologische Begleitung und Unterstützung
Ein plötzlicher Sehverlust oder eine gravierende Verschlechterung des Sehvermögens beschäftigt die Betroffenen verständlicherweise emotional sehr und kann dazu führen, dass sie aus ihrem gewohnten Leben gerissen werden. Zur Unterstützung einer erfolgreichen Rehabilitation ist eine regelmäßige psychologische Begleitung und Unterstützung Für alle TeilnehmerInnen der BtG während des Rehabilitationsprozesses von daher elementarer Bedeutung.
Dabei spielen erfahrungsgemäß die Themen:
- Bearbeitung des eingetretenen Verlustes des Sehvermögens
- der Umgang mit der eigenen Behinderung
- die Auseinandersetzung mit der Welt der Sehenden
- die Erwartungen und Grenzen der Rehabilitation
- die Entwicklung der eigenen Lebensperspektive
sehr oft eine zentrale Rolle.
Die Einzelgespräche finden einmal in der Woche beim psychologischen Fachdienst der blista statt.
Psychosoziales Gruppenangebot und Entspannungstraining
Das Gruppenangebot ist in verschiedene Module aufgeteilt, die alle das Ziel haben, verschiedene psychosoziale Ressourcen zu stärken, die bei der Bewältigung der Sehbehinderung helfen können.
Durch den Erwerb von Kompetenzen in den Bereichen Achtsamkeit, Selbstmitgefühl, Kommunikation, Selbstbehauptung, Genussfähigkeit und Entspannung soll der Umgang mit Stress und Frustration verbessert und die aktive Bewältigung der Behinderung gefördert werden. Die Themen im Einzelnen richten sich nach den Bedürfnissen und Wünschen der Gruppenteilnehmenden. Im Entspannungstraining erhalten die zu rehabilitierenden Personen eine Einführung in verschiedene Entspannungsverfahren.
Wohnen und Leben während Ihrer BtG
Während ihrer BtG steht ihnen ein Einzelapartment zur Verfügung. Kurze Wege von ca. 350 Metern zu den Schulungsräumen und zu Einkaufsmöglichkeiten bieten Ihnen die Möglichkeit, schnell eine selbstständige Orientierung und Mobilität zu erlangen.
Um Ihnen den Alltag und ein Zurechtfinden zu erleichtern, steht ihnen unser Sozialpädagoge zur Seite. Dieser unterstützt sie in Alltagssituationen (z.B. bei ärztlichen Terminen, Einkauf, Beratung zu Freizeitaktivitäten und weiteren Bedarfen, die durch Einschränkungen des Sehvermögens auftreten).
Für Personen unter 18 Jahren ist die Unterbringung in den Wohngruppen des Internates der Carl-Strehl-Schule vorgesehen. Die Wohngruppen befinden sich an verschiedenen Orten in der Stadt.
Für beide Wohnformvarianten gilt: Bis Wege selbstständig bewältigt werden können, gibt es bei Bedarf einen Fahrdienst, der vom Apartment und Wohngruppe zur Schulung und zurückfährt.
Melden Sie sich bei Fragen gerne!
Annette Stelker
Abteilungsleiterin der Blindentechnischen Grundrehabilitation (BtG)
Telefon
06421-606-195
E-Mail
a.stelker@blista.de