Bewegung ist untrennbar mit unserem Alltag verbunden, egal ob wir uns im Bett strecken, unser Brot schmieren, am Schreibtisch arbeiten oder unsere Schuhe binden wollen. Wer mal etwas Neues ausprobiert, merkt schnell, dass Bewegungen, die uns nicht so vertraut sind, nicht so leicht von der Hand gehen und oft auch Teile unseres Körpers ansprechen, die wir sonst nicht so spüren. Was zunächst einfach erscheint, beinhaltet oft eine Vielzahl komplexer Bewegungsabläufe.
Die Einheit von Bewegung und Wahrnehmung
Bewegung und Wahrnehmung bilden eine Einheit und sind die Grundlage unseres Seins. Auch in der Auseinandersetzung mit anderen Menschen, mit Dingen und mit der Umwelt sind sie als Einheit die Grundlage von Entwicklung. Inwieweit es uns gelingt, uns mit unseren Wünschen und Bedürfnissen auszudrücken und von uns beabsichtigte Bewegungen und Handlungen zu verwirklichen, hängt zum großen Teil davon ab, wie gut das Zusammenspiel zwischen unserer Wahrnehmung und unseren Bewegungen funktioniert. Dadurch entwickeln wir auch ein gutes Gespür für unseren Körper, eine innere Landkarte sozusagen (auch Körperschema genannt). Dies ist die Voraussetzung dafür, harmonische und situationsadäquate Bewegungen und Handlungen zu planen und ausführen zu können.
Menschen allen Alters (vor allem von Geburt an blinde Menschen), die in ihrer Entwicklung nur wenige Wahrnehmungs- und Bewegungserfahrungen machen konnten, haben oft Schwierigkeiten mit dem Körperschema oder der Ausführung bestimmter Bewegungen. Das bedeutet, dass es ihnen beispielweise schwerer fallen kann, Handlungen auszuführen, die ihnen nicht so geläufig sind, wie bspw. eine Wurst schneiden oder einen Reißverschluss einfädeln oder auch einer Bordsteinkante mit dem Langstock zu folgen oder sich an einer Ampel korrekt auszurichten. Das Erlernen neuer Bewegungen oder Handlungen des Alltags kann dadurch erschwert sein.
Bewegungsförderung / Psychomotorische Entwicklungsförderung
Im Mittelpunkt unserer psychomotorischen Entwicklungsförderung für Schülerinnen und Schüler der Carl-Strehl-Schule steht das Angebot eines geschützten Spiel- und Erfahrungsraumes, der das lustvolle Erleben mit allen Sinnen in den Fokus stellt. Sich selbst in vielfältigen Bewegungssituationen und in Interaktion mit Anderen zu entdecken und zu erfahren, birgt die Chance, das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten auszubauen und zunehmend selbstständiger zu agieren. Dabei steht das komplexe Zusammenspiel von Bewegen, Handeln, Gestalten, Wahrnehmen, Fühlen, Denken und Erleben im Mittelpunkt und ist auf dessen Bedeutung für die Persönlichkeitsentwicklung ausgerichtet.
Bei unseren Bewegungsangeboten für erwachsene Teilnehmerinnen und Teilnehmer bspw. im Rahmen der Blindentechnischen Grundrehabilitation findet dies in altersgemäß abgewandelter Form statt.
Die Angebote der Bewegungsförderung sind vielfältig, es finden sich neben der Psychomotorik auch Einflüsse aus der Ergotherapie, der Abenteuer- und Erlebnispädagogik sowie diverser anderer sportlicher Konzepte darin wieder. Sie ist klientenorientiert und soll vor allem Spaß machen! So erhalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Gelegenheiten, ihre Sinne zu schulen und Raum-, Körper-, Material- und Sozialerfahrungen zu machen und dabei die Freude an Bewegung zu erleben und sich persönlich weiterzuentwickelnd.
Die Bewegungsförderung kann somit die Grundlage für Erfolge in anderen Schulungsbereichen, wie beispielweise der Orientierung und Mobilität, Lebenspraktischen Fähigkeiten, dem Schulsport oder anderen Herausforderungen des Alltags bilden!
Die Angebote der Bewegungsförderung / psychomotorischen Entwicklungsbegleitung finden i.d.R. in kleinen Gruppen statt, in Einzelfällen kann auch eine Einzelförderung Sinn machen. Für unsere Angebote nutzen wir die Sporthallen sowie unseren Bewegungsraum aber auch das Schwimmbad oder gehen in die Natur.